Im Lektorat schauen wir auf die sprachlichen Mittel, mit denen Schreibende Nachvollziehbarkeit, Stimmigkeit und Verständlichkeit erzeugen kann: Wortwahl und Ausdruck, Satzbau, Stil, Metaphern … Deren Einsatz fällt gerade Personen, die nicht von Berufs wegen schreiben oder die einen Text mit hochkomplexen Inhalten schreiben, nicht immer ganz leicht, verständlicherweise. Aber auch geübte Schreibende entwickeln eine Textblindheit gegenüber dem, was sie geschrieben haben, und sehen Unschärfen oder Wiederholungen nicht mehr. Als Lektorin lege ich hierauf mein Augenmerk: Wo kann der Ausdruck geschärft werden, welche Aussagen sind irreführend, passt der Stil eigentlich zu Textsorte und Zielgruppe(n).
Übrigens ist der persönliche Stil bei professionellen Texten, also Texten, die für Öffentlichkeiten geschrieben werden, nicht immer die erste Wahl. Viele gerade Akademiker*innen schreiben für Broschüren im Passiv, das ist auch ein schöner Stil, aber er findet sich vor allem in der Wissenschaft, weniger in der Öffentlichkeitsarbeit, wo man das Passiv gezielt einsetzen sollte, damit es wirkt – und nicht langweilt. Ich habe einen tollen Job, aber er kann auch Knochenarbeit sein. Vor allem, wenn Texte schon fertig sind (»Muss nur noch mal drüber geschaut werden.«). Es ist immer gut, wenn Lektor*innen schon am Anfang des Schreibprozesses eingebunden werden, wenn sie schon bei der Konzeption mit über die Struktur und die Lesenden mitdenken. Das spart Zeit und Geld und Nerven.
Im Korrektorat hingegen geht es ans sprachliche Eingemachte: »Stimmen die Kommas?« ist hier nur eine Frage von vielen, wenn man einen Text Silbe für Silbe, Wort für Wort mithilfe einiger Korrekturtechniken Korrektur liest. Auch die Orthotypografie spielt hier eine wichtige Rolle: Ein Bindestrich ist noch lange kein Gedankenstrich. Im Wissenschaftskorrektorat wird das Ganze noch diffiziler, da müssen Formalia »sitzen«, Begriffe sollten einheitlich geschrieben, manchmal auch kursiv oder in Anführungszeichen gesetzt sein. Bei der Korrektur von Literaturverzeichnissen heißt es auch des Öfteren nachschlagen, wenn ein Titel oder eine Autor*innennennung verdächtig wirkt.
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